Feuerwehren arbeiten eigene NS-Geschichte auf

Ehrenamtliche Einsatzkräfte werden in Workshops wissenschaftlich unterstützt

Berlin/Fulda – Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) und das Deutsche Feuerwehr-Museum (DFM) Fulda wollen zusammen mit der Justus-Liebig-Universität Gießen die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehren im Nationalsozialismus aufarbeiten – und dabei die Menschen vor Ort einbinden. Das Projekt „Feuerwehren in der NS-Zeit“ wird gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

In vier begleiteten Workshops finden die Freiwilligen Feuerwehren vor Ort gemeinsam mit Fachleuten heraus, in welcher Weise sich der Nationalsozialismus ganz konkret in ihrer Wehr ausgewirkt hat. Die Workshops leitet der Historiker Clemens Tangerding. Für Fragen zur Feuerwehrgeschichte stehen Rolf Schamberger und Johannes Habermehl vom DFM bereit. Am Ende präsentiert jede Feuerwehr die selbst erarbeiteten Ergebnisse in Form einer Ausstellung, einer Broschüre oder einer Online-Seite.

„Wir glauben, dass es ein deutliches Signal setzt, wenn nicht Experten von außen die NS-Geschichte aufarbeiten, sondern ziehen es bewusst vor, dass sich die Mitglieder der Wehren selbst daran beteiligen“, meint Projektleiter Rolf Schamberger. Der Leiter des Deutschen Feuerwehr-Museums Fulda möchte zu dem Projekt bewusst alle Feuerwehrleute einladen und nicht nur die, die sich ohnehin für die NS-Geschichte interessieren: „Jeder, der möchte, kann zu uns kommen. Wir sind natürlich auch offen für kritische Stimmen.“

Begleitet wird das Projekt von einem wissenschaftlichen Beirat unter der Leitung der Gießener Historikerin Ulrike Weckel. Das Gremium erstellt einen Leitfaden für die Aufarbeitung der NS-Geschichte mit Laien, der am Ende des ersten Projektjahres der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Außerdem wird es vier Vorträge geben, in denen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Presse ihre Gedanken zur Aufarbeitung der NS-Zeit in Deutschland vorstellen. Bei Interesse an einer Teilnahme oder Fragen steht das Projektteam per E-Mail unter aufarbeitung@dfv.org oder telefonisch unter (030) 263 763 53 zur Verfügung.

HIER steht der Projektflyer zum Download zur Verfügung.